WAFS

WAFS

Autor

W. Sturm

Anwendung

Erfassung von Teilfunktionen der Aufmerksamkeit; einsetzbar ab 7 Jahren.

Hauptanwendungsbereiche: Neuropsychologie, Klinische & Gesundheitspsychologie, Flugpsychologie, Sportpsychologie

Theoretischer Hintergrund

Mit dem von van Zomeren und Brouwer (1994) vorgeschlagenen Modell lassen sich moderne Auffassungen zur Dimensionalität von Aufmerksamkeit zusammenfassen. Zu den zentralen Aspekten gehört nach diesem Modell zunächst die Unterscheidung von Intensitäts- und Selektivitätsaspekten der Aufmerksamkeit, die jeweils in spezifischere Komponenten zu differenzieren sind. Der Intensitätsaspekt der Aufmerksamkeit umfasst die Komponenten Alertness und Vigilanz, basale Prozesse der kurzfristigen und der längerfristigen Aufmerksamkeitsaktivierung bzw. der Aufrechterhaltung einer solchen Aktivierung. Unter dem Aspekt der Selektivität der Aufmerksamkeitsprozesse unterscheidet das Modell zwischen fokussierter bzw. selektiver und geteilter Aufmerksamkeit. Die räumliche Ausrichtung der Aufmerksamkeit stellt eine zusätzliche, eigenständige Dimension dar (Posner et al., 1978, 1984), welche im o. a. Modell noch nicht berücksichtigt, in neuere Taxonomien aber aufgenommen wurde (Sturm, 2005). Posner und Raichle (1994) sowie Fernandez-Duque und Posner (2001) unterscheiden drei Aufmerksamkeitsnetzwerke: a) „Orienting“ (entspricht dem Netzwerk der räumlichen Aufmerksamkeitsausrichtung), b) „Vigilance“ (entspricht der Intensitäts-Dimension) und c) „Executive Attention“ (entspricht in etwa der Selektivitäts-Dimension).

Durchführung

Die Testbatterie WAF besteht aus sechs Testverfahren, die unabhängig voneinander oder in beliebiger Kombination als Testbatterie vorgegeben werden können. Zusätzlich können mit WAFW sensorische Beeinträchtigungen differentialdiagnostisch abgeklärt werden.

Für jeden der WAF-Tests liegen verschiedene Testformen vor, die es ermöglichen, Dimensionen der Aufmerksamkeit unter verschiedenen Vorgabemodalitäten zu erfassen – so umfassen die WAF-Tests konsequent Subtests für visuelle, auditive und crossmodale Testvorgaben. In einigen Untertests der WAF-Testbatterie werden automatisierte und kontrollierte Aufmerksamkeitsaspekte separat erfasst, indem die Reize entweder durch Intensitätsanhebung stärker hervortreten („Popping Out“) oder durch Intensitätsabschwächung schwächer hervortreten und damit kognitiv kontrollierte, „top-down“-Prozesse notwendig werden. Beide Aufmerksamkeitsprozesse sind im Alltag relevant, beide können interagieren und beide können selektiv z. B. durch eine Hirnschädigung beeinträchtigt werden, da ihnen unterschiedliche zerebrale Netzwerke zugrunde liegen (Corbetta & Shulman, 2002).

WAFW

Um auszuschließen, dass nicht schon Wahrnehmungsbeeinträchtigungen die Verarbeitung der bei der WAF verwendeten Stimuli beeinflussen und somit eine zuverlässige Aufmerksamkeitsdiagnostik verhindern, kann mit WAFW vor Beginn einer Untersuchung abgeklärt werden, ob die Wahrnehmungsleistung des Probanden für die Durchführung der WAF Tests ausreicht.

WAFA

Bei WAFA wird die Reaktionszeit auf einfaches visuelles bzw. auditives Reizmaterial erfasst. Die Reizdarbietung erfolgt ohne bzw. mit einem in der gleichen oder der jeweils anderen Reizmodalität präsentierten Warnreiz (intrinsische vs. phasische Alertness). Eine spezielle Normierung erlaubt es, Ermüdungs- bzw. Belastbarkeitsparameter zu erfassen.

WAFV

Bei WAFV werden dem Probanden visuelle bzw. auditive Reize vorgegeben, die in seltenen Fällen etwas an Intensität verlieren. Auf diese seltenen Fälle, die in der Durchführungsbedingung Daueraufmerksamkeit etwa 25 % der Reize und in der Durchführungsbedingung Vigilanz etwa 5 % der Reize ausmachen, soll der Proband reagieren.

WAFR

Die räumliche Ausrichtung der Aufmerksamkeit wird an vier bzw. acht räumlichen Positionen in einer Posner-Paradigma-ähnlichen Aufgabenstellung erfasst. Es werden periphere (exogene) und zentrale (endogene) räumliche Hinweisreize verwendet. Bei der Neglect-Prüfung werden Stimuli an verschiedenen Positionen im rechten oder linken visuellen Feld oder simultan an äquivalenten Positionen in beiden Gesichtsfeldhälften dargeboten (Extinktionsbedingung).

WAFF

Dem Probanden werden – je nach Subtest – visuelle oder auditive relevante Reize vor ablenkendem Reizmaterial vorgegeben. Wenn zwei zuvor definierte Veränderungen der relevanten Reize hintereinander auftreten, soll der Proband reagieren, das übrige Reizmaterial soll er ignorieren.

WAFS

Der Proband erhält relevante und irrelevante Reize in einer oder beiden Vorgabemodalitäten und soll auf Veränderungen der relevanten Reize reagieren und die irrelevanten Reize dabei ignorieren.

WAFG

Der Proband erhält Reizmaterial auf zwei visuellen bzw. einem visuellen und einem auditiven Kanal. Er soll dabei stets beide Kanäle dahingehend überwachen, ob sich einer der Reize zweimal hintereinander verändert hat.

Testformen

Es liegt eine Testform mit 60 Items vor, die in verschiedenen landes- und sprachspezifischen Anpassungen verfügbar ist.

Auswertung

Für alle WAF-Tests liegen Auswertungen der Reaktionszeiten bzw. der verschiedenen Fehlertypen vor. Für die meisten Variablen wird zusätzlich ein Normvergleich (Prozentränge und T-Werte) durchgeführt.

Zuverlässigkeit

Für die WAF-Tests ergeben sich für die Hauptvariablen – speziell unter Berücksichtigung der geringen Testdauer – sehr gute Reliabilitäten (Cronbachs Alpha).

Gültigkeit

Untersuchungen zur Konstruktvalidität an einer Stichprobe von N=256 erwachsenen Probanden und bei 270 Kindern und Jugendlichen konnten das theoretische Modell, das der Testbatterie WAF zugrunde liegt, empirisch bestätigen und gegenüber alternativen Modellen abgrenzen.

Normen

Es stehen für alle WAF-Tests bevölkerungsrepräsentative Normen im Umfang von N=295 Personen im Alter von 16 bis 77 Jahren zur Verfügung. Die Normen liegen sowohl für die Gesamtstichprobe als auch getrennt nach Bildungsgruppen vor. Zusätzlich bieten alle WAF-Tests von Alterseffekten bereinigte Rohwerte für die Hauptvariablen an, was eine besonders effiziente Methode der Altersnormierung darstellt. Zusätzlich liegen Kinder- und Jugendlichennormen im Umfang von N=270 für den Altersbereich 7–17 Jahre vor.

Durchführungsdauer

Die Durchführungsdauer ist für die einzelnen WAF-Tests verhältnismäßig gering. Es ist daher möglich, auch Testbatterien für komplexere Fragestellungen zusammenzustellen, ohne den Probanden zeitlich bzw. motivational übermäßig zu belasten. In der Regel wird es nicht notwendig sein, jeden Test in allen Reizmodalitäten durchzuführen. Dies muss der Anwender unter Berücksichtigung von Vorinformationen zum Störungsbild eines Patienten entscheiden. Die Testergebnisse sind nur dann vorbehaltlos interpretierbar, wenn der Proband/Patient die sensorischen und motorischen Voraussetzungen für eine einwandfreie Testdurchführung aufweist.

Hinweis

Für die Durchführung der auditiven und crossmodalen Subtests der WAF-Tests wird ein standardisiertes USB-Headset benötigt.

Notwendige Komponenten

Basissoftware, Lizenzdongle